Viele glauben, Windsurfen sei nur etwas für besonders sportliche Menschen. Das stimmt so nicht. Wer schwimmen kann und gesund ist, kann den Sport lernen, oft schon ab etwa acht Jahren und genauso mit 60. Wie schnell es vorangeht, hängt vor allem von den Bedingungen, der Übung und einer guten Anleitung ab, nicht vom Alter oder von reiner Kraft.
Die Voraussetzungen zum Windsurfen lernen
Für den Einstieg braucht ihr keine Vorerfahrung aus anderen Wassersportarten und kein spezielles Training. Ein paar Grundvoraussetzungen sollten aber erfüllt sein, bevor ihr euch für einen Kurs anmeldet. Wir haben die wichtigsten Punkte zusammengestellt, die Surfschulen üblicherweise von ihren Teilnehmern erwarten:
- Ihr könnt sicher schwimmen, auch in tieferem Wasser.
- Ihr habt keine gesundheitlichen Probleme, die gegen körperliche Belastung sprechen. Im Zweifel fragt ihr vorher euren Arzt.
- Ihr bringt etwas Geduld mit, denn am Anfang fällt jeder mehrmals ins Wasser.
Für Kinder gilt zusätzlich ein Richtwert von etwa 35 Kilogramm Körpergewicht. Das ist meist ab ungefähr acht Jahren der Fall. Leichtere Kinder können zwar teilnehmen, machen aber oft langsamer Fortschritte.
Die richtigen Bedingungen zum Windsurfen
Anfänger brauchen ruhige Bedingungen, also möglichst flaches Wasser ohne Wellen und schwachen bis mäßigen Wind. Ideal ist ein Stehrevier, in dem ihr jederzeit absteigen und stehen könnt. Das spart Kraft und nimmt die Angst vor dem Fallen.
Neben dem Wasser zählt vor allem der Wind. Seine Stärke entscheidet darüber, ob ein Tag für euch geeignet ist oder nicht. Welche Windverhältnisse zu welchem Könnensstand passen, zeigt die folgende Übersicht. Nehmt sie als grobe Orientierung, denn auch Böen, Wassertiefe und Temperatur spielen bei der Einschätzung eines Surftags eine Rolle:
| Windstärke (Beaufort) | Geeignet für |
|---|---|
| 2 bis 4 | Anfänger |
| 5 bis 6 | Fortgeschrittene |
| ab 7 | Nur erfahrene Könner |
Ablandiger Wind, der vom Ufer aufs offene Wasser weht, ist für Anfänger gefährlich. Er treibt euch vom Land weg, und der Rückweg wird mit jeder Minute schwerer. Geht bei solchen Bedingungen nicht allein aufs Wasser.
Wo könnt ihr Windsurfen lernen?

Der beste Ort für den Einstieg ist eine Surfschule. Dort bekommt ihr passendes Anfängermaterial, lernt von ausgebildeten Lehrern und seid in einem überwachten Revier unterwegs. Viele Schulen in Deutschland arbeiten nach den Standards des Verbands Deutscher Wassersport Schulen (VDWS).
Der Weg ohne Schule steht euch natürlich auch offen, etwa auf eigene Faust oder mit Hilfe eines Freundes. Davon raten wir trotzdem ab. Denn genau das, was eine Surfschule bietet, fehlt euch dann: passendes Material, eine methodische Anleitung und ein geschultes Auge für Gefahren auf dem Wasser.
Welche Reviere in Deutschland eignen sich am besten?
Ihr müsst für den Einstieg nicht weit reisen. Die Auswahl an Windsurfspots in Deutschland ist nämlich groß und reicht von den Binnenseen in Bayern und Sachsen bis zu den Gewässern rund um Berlin, und an vielen davon findet ihr auch eine Surfschule. Gerade diese Seen haben für Anfänger einen Vorteil: Im Sommer weht dort meist leichter Wind, der euch die ersten Versuche erleichtert.
Wer es etwas verlässlicher mag, findet diesen Wind an der Nordsee und der Ostsee, etwa in den bekannten Revieren auf Fehmarn, Rügen und Sylt. Und wer den Kurs mit einem Urlaub verbinden möchte, für den ist Windsurfen in Europa eine schöne Option, zum Beispiel in den Niederlanden, in Dänemark oder am Mittelmeer.
So läuft ein Anfängerkurs ab
Ein Grundkurs umfasst in der Regel acht bis zwölf Stunden, verteilt auf mehrere Tage mit jeweils zwei bis drei Stunden Unterricht. Er beginnt meist mit einer kurzen Theorieeinheit an Land. Danach geht es aufs Wasser, zuerst mit Aufsteigen, Segel aufholen und Geradeausfahren, später mit dem Drehen auf der Stelle und einfachen Richtungswechseln.
Das Ziel des Kurses ist, dass ihr bei ruhigen Bedingungen selbstständig jeden Punkt auf dem Wasser erreichen könnt. Am Ende könnt ihr eine kleine Prüfung ablegen und erhaltet den Grundschein des VDWS. Manche Verleihstationen verlangen diesen Nachweis, bevor sie Material herausgeben.
Wer unsicher ist, ob der Sport überhaupt gefällt, kann vorab einen Schnupperkurs von zwei bis drei Stunden machen. Das gibt euch die Möglichkeit, erste Eindrücke zu sammeln und herauszufinden, ob Windsurfen oder Wingfoilen besser zu euch passt, bevor ihr euch für einen vollständigen Kurs entscheidet.
Das richtige Material für Anfänger
Mit dem richtigen Material fällt euch jeder Schritt auf dem Wasser leichter, denn Einsteigerausrüstung ist darauf ausgelegt, Fehler zu verzeihen. Im Kurs stellt euch die Surfschule alles, was ihr braucht, und ein eigener Kauf lohnt sich erst später. Diese vier Teile solltet ihr trotzdem kennen:
- Board: Anfängerboards haben viel Volumen, häufig 160 bis 240 Liter, und sind mindestens 80 Zentimeter breit. Als Faustregel gilt euer Körpergewicht plus 50 bis 100 Liter. So liegt das Board stabil im Wasser, und ihr könnt euch auf die Technik konzentrieren.
- Schwert: Diese ausklappbare Finne in der Brettmitte beruhigt das Board zusätzlich und verhindert, dass ihr seitlich abtreibt.
- Segel: Für Einsteiger ist es klein und leicht, meist zwischen einem und fünf Quadratmetern. Die passende Größe hängt vom Wind und von eurem Körpergewicht ab.
- Neoprenanzug: In deutschen Gewässern gehört er fast immer dazu, denn im Wasser kühlt der Körper deutlich schneller aus als an Land.
Theorie gehört dazu
Windsurfen besteht nicht nur aus Praxis. Im Kurs lernt ihr, wie Wind und Segel zusammenwirken, was Begriffe wie Luv und Lee bedeuten und welche Kurse ihr zum Wind fahren könnt. Dazu kommen die Vorfahrtsregeln auf dem Wasser und Grundwissen über das Material.
Dieses Wissen ist keine lästige Pflicht. Wer versteht, warum das Board in eine bestimmte Richtung fährt, lernt die Bewegungen leichter und macht weniger Fehler. Die Theorie ist außerdem Teil der Prüfung für den Grundschein.
Welche Sicherheitsvorkehrungen solltet ihr treffen?
Die meisten Zwischenfälle beim Surfen mit Segel lassen sich vermeiden, bevor ihr überhaupt aufs Wasser geht. Prüft darum vor jeder Session die Vorhersage, zum Beispiel beim Deutschen Wetterdienst (DWD), und achtet dabei auf Gewitter, Sturmböen und die Windrichtung.
Auf dem Wasser selbst gilt vor allem eine Regel. Bleibt immer bei eurem Board, denn es trägt euch auch erschöpft und ist vom Ufer aus gut zu sehen. Teilt außerdem eure Kräfte ein und haltet Abstand zu Schwimmern, anderen Surfern und Fahrrinnen.
Die Grundlage für all das ist sicheres Schwimmen. Wer hier auffrischen möchte oder mehr über Gefahren im Wasser wissen will, findet bei der DLRG Kurse und verständliche Informationen.
Fazit: Surfen mit Segel lernen
Windsurfen lernen ist kein Kraftakt, sondern eine Frage von Technik, Geduld und guten Bedingungen. Mit guter Anleitung, leichtem Wind und einem flachen Revier schafft ihr die Grundlagen in wenigen Tagen. Danach entscheidet die Zeit auf dem Wasser, wie schnell ihr besser werdet. Achtet von Anfang an auf die Windrichtung und die Sicherheitsregeln, dann steht den ersten Metern auf dem Brett nichts im Weg.