Deutschland ist kein klassisches Surfland, aber wer windsurfen will, hat mehr Möglichkeiten als viele denken. Über 2.300 Kilometer Küstenlinie an Nord- und Ostsee, dazu Dutzende geeignete Binnenseen. Wer den richtigen Spot für seinen Kenntnisstand wählt, findet in Deutschland verlässliche Bedingungen, an der Küste genauso wie tief im Landesinneren.
Windsurfen an der Ostsee
Die Ostsee gilt als das anfängerfreundlichste Meer Deutschlands. Es gibt kaum Gezeiten, viele geschützte Buchten und flache Boddengewässer. Wer Windsurfen lernen will, profitiert davon doppelt, denn das Wasser bleibt in Ufernähe oft lange stehtief und die Bedingungen sind gut planbar. Gleichzeitig findet ihr hier genug Wind, um echte Fortschritte zu machen.
Fehmarn
Die Insel Fehmarn ist das bekannteste Windsurfrevier der deutschen Ostsee. Sie zählt zu den sonnenreichsten Regionen Deutschlands und bietet auf rund 78 Kilometern Küste Spots für jedes Können. Für Anfänger eignet sich besonders die geschützte Orther Bucht im Südwesten: flaches Wasser, weite Stehbereiche und moderate Bedingungen. Bereiche wie der Grüne Brink im Norden liegen nahe an Vogelschutzgebieten, dort gelten feste Regeln und Zonen.
Rügen
Zwei Gesichter prägen das Revier rund um Rügen. Die Boddengewässer im Süden und Westen der Insel sind flach, geschützt und ideal zum Lernen. Die offene Nordküste dagegen gehört den Fortgeschrittenen, denn dort gibt es Wellen, teils starke Strömung und unter Wasser liegende Findlinge. Bleibt als Einsteiger im Bodden, dort lernt es sich sicher und entspannt.
Kieler Bucht und Dahme
Wer nicht auf eine Insel übersetzen will, findet auch am Festland gute Reviere. In der Kieler Bucht und am breiten Sandstrand von Dahme weht der Wind meist verlässlich aus westlichen Richtungen. Beide Gegenden bieten ufernahe Bereiche mit moderaten Bedingungen, an windstarken Tagen wird es weiter draußen anspruchsvoller.
Windsurfen an der Nordsee
Die Nordsee ist das raue Geschwister der Ostsee. Hier bestimmen Ebbe und Flut den Tagesablauf: Der Wasserstand ändert sich alle paar Stunden, Strömungen sind stärker und der Wind weht oft kräftiger. Für komplette Anfänger ist die Nordsee deshalb anspruchsvoller. Mit fachkundiger Anleitung und bei ruhigen Bedingungen könnt ihr aber auch hier eure ersten Schläge machen.
St. Peter-Ording
Mehrere hundert Meter breit ist der Sandstrand von St. Peter-Ording an manchen Stellen, dafür ist der Ort an der Westküste Schleswig-Holsteins bekannt. Der Wind weht hier konstant und oft kräftig. Bei moderatem, auflandigem Wind finden Einsteiger viel Platz, bei Starkwind gehört der Spot den Erfahrenen.
Sylt
Wenn die weltbesten Windsurfer in Deutschland antreten, dann hier. Vor Westerland an der Westküste von Sylt finden regelmäßig Windsurf Wettkämpfe in der Brandung statt, was den Spot zu einem der besten Windsurf-Reviere in Europa macht. Entsprechend rau sind die Bedingungen. Für Anfänger ist diese Seite ungeeignet. Geschütztere Bereiche auf der dem Festland zugewandten Wattseite sind ruhiger, allerdings müsst ihr auch dort die Gezeiten genau kennen.
Norderney
Etwas sanfter geht es auf Norderney zu. Die ostfriesische Insel bietet im Vergleich zu Sylt geschütztere Bedingungen, und je nach Windrichtung und Tide findet ihr hier ruhigere Bereiche für die ersten Erfahrungen im Meer. Plant eure Session aber auch hier immer rund um den Gezeitenkalender.
Die besten Binnenseen für den Einstieg
Für die allerersten Stunden auf dem Brett sind Binnenseen oft die beste Wahl. Es gibt keine Gezeiten, keine Brandung und meist weniger Wind als am Meer. Diese Seen haben sich als Lernreviere bewährt und unterscheiden sich vor allem in Größe, Tiefe und Windverhältnissen:
| See | Region | Das zeichnet ihn aus |
|---|---|---|
| Steinhuder Meer | Niedersachsen | Größter See Nordwestdeutschlands, im Schnitt nur etwa 1,5 Meter tief, riesiges Stehrevier |
| Chiemsee | Bayern | Viel Platz auf großer Wasserfläche, im Sommer regelmäßige thermische Winde |
| Brombachsee | Bayern (Franken) | Übersichtlich, ruhiges Wasser, gut geeignet für die ersten Kurse |
| Müritz | Mecklenburg | Größter See, der vollständig in Deutschland liegt, weite flache Uferbereiche |
| Ammersee | Bayern | Verlässliche Thermik an Sommertagen, gut erreichbare Einstiegsstellen |
Ein Hinweis zu den Alpenseen: Gewässer wie der Walchensee sind für ihren zuverlässigen thermischen Wind bekannt, das Wasser bleibt dort aber auch im Sommer kalt. Ein Neoprenanzug ist auf fast allen deutschen Gewässern ohnehin sinnvoll, an Bergseen ist er Pflicht.
Worauf es bei einem Anfängerspot ankommt
Nicht jeder schöne Strand ist auch ein guter Lernort. Für die ersten Versuche auf dem Brett zählen andere Dinge als für erfahrene Surfer. Ein paar Merkmale machen den Unterschied zwischen einem entspannten Einstieg und einem frustrierenden Tag aus. Achtet vor allem auf diese Punkte:
- Stehtiefes Wasser: Ihr fallt am Anfang oft. In einem Stehrevier könnt ihr einfach aufstehen und neu starten.
- Flaches, ruhiges Wasser: Ohne Wellen lernt ihr Balance und Segelführung deutlich leichter.
- Auflandiger oder seitlicher Wind: Wind, der zum Ufer oder parallel dazu weht, treibt euch nicht aufs offene Wasser hinaus.
- Klare Regeln vor Ort: Viele Gewässer haben ausgewiesene Surfzonen und Schutzgebiete. Informiert euch vorher.
Eine wichtige Warnung gehört dazu: Geht als Anfänger niemals bei ablandigem Wind aufs Wasser, also bei Wind, der vom Land wegweht. Er trägt euch vom Ufer fort, und gegen ihn zurückzukommen ist für Einsteiger kaum möglich.
Sicherheit geht vor
Egal wo ihr startet, eine Windrichtung solltet ihr als Anfänger meiden: ablandigen Wind, also Wind, der vom Land aufs offene Wasser hinausweht. Er fühlt sich am Ufer harmlos an, treibt euch aber mit jedem Meter weiter hinaus. Der Rückweg gegen den Wind ist für Einsteiger oft nicht zu schaffen.
Prüft außerdem vor jeder Session die Vorhersage und die örtlichen Regeln. An der Nordsee gehören die Gezeitenzeiten dazu, an Binnenseen gibt es teilweise Naturschutzzonen, die ihr nicht befahren dürft. Ein Neoprenanzug ist in deutschen Gewässern fast das ganze Jahr über sinnvoll, denn auch im Sommer kühlt ihr bei längeren Pausen im Wasser schnell aus.
Wie schnell ihr an einem Spot Fortschritte macht, hängt von den Bedingungen, eurer Übung und einer guten Anleitung ab. Ein Kurs mit ausgebildeten Lehrern verkürzt den Weg nicht auf Knopfdruck, gibt euch aber von Anfang an die richtige Technik und das nötige Sicherheitswissen mit.
Fazit: Besten Windsurfspots in Deutschland
Die deutschen Reviere decken den ganzen Weg ab, vom ersten Aufstieg im Stehrevier bis zur Brandung an der Nordsee. Entscheidend ist weniger der Ruf eines Spots als die Frage, ob er zu eurem aktuellen Können passt. Ein Gewässer in eurer Nähe, das ihr regelmäßig nutzt, bringt euch mehr als der bekannteste Strand, den ihr nur einmal im Jahr seht. Wer so plant, wächst Schritt für Schritt in anspruchsvollere Bedingungen hinein, ganz ohne weite Reisen.